Unser Ehrencodex
Karate beginnt mit Respekt – und zeigt sich im Handeln.
Karate-Dō bedeutet für uns, an der eigenen Technik und zugleich an der eigenen Haltung zu arbeiten. Wir üben, aufmerksam zu sein, Verantwortung zu übernehmen und anderen mit Achtung zu begegnen.
Unser Name ShoShin steht für den Anfängergeist: die Offenheit, immer wieder neu hinzusehen und dazuzulernen. Diese Haltung möchten wir bewahren – vom ersten Training bis weit über den schwarzen Gürtel hinaus.
Unser Ehrencodex beschreibt die Werte, an denen wir uns orientieren. Er gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Niemand erfüllt ihn jeden Tag vollkommen. Entscheidend ist die Bereitschaft, das eigene Verhalten ehrlich zu prüfen und daran zu wachsen.
1. Respekt – die Würde des anderen achten
Wir begegnen jedem Menschen mit Achtung, unabhängig von Alter, Herkunft, Fähigkeiten oder Graduierung. Respekt zeigt sich darin, wie wir zuhören, miteinander sprechen und auf die Grenzen anderer achten. Auch bei Meinungsverschiedenheiten bewahren wir diese Haltung.
2. Bescheidenheit – Erfolge mit Augenmaß tragen
Wir dürfen uns über Fortschritte, bestandene Prüfungen und sportliche Erfolge freuen. Gürtel, Titel und Auszeichnungen würdigen eine Leistung; sie bestimmen nicht den Wert eines Menschen. Mit wachsendem Können wächst für uns die Verpflichtung, anderen aufmerksam und ohne Überheblichkeit zu begegnen.
Bescheidenheit bedeutet, die eigenen Stärken zu kennen und zugleich die eigenen Grenzen anzuerkennen. Wir nehmen Anerkennung dankbar an und erinnern uns an die Menschen, die zu unserem Weg beigetragen haben.
3. Anfängergeist – offen bleiben für das Lernen
Wir bewahren uns die Bereitschaft, Fragen zu stellen und vertraute Überzeugungen zu hinterfragen. Erfahrung kann Orientierung geben, aber auch den Blick verengen. Deshalb bleiben wir neugierig und nehmen ernst, was uns andere zeigen können – unabhängig davon, welchen Gürtel sie tragen.
Zum Anfängergeist gehört der Mut, etwas noch nicht zu wissen oder zu können. Wer sich das eingesteht, schafft Raum für Entwicklung. Auch als Lehrer bleiben wir Lernende.
4. Verantwortung – dem Vertrauen gerecht werden
Im Training vertrauen wir einander unsere Gesundheit an. Wir passen Kraft, Tempo und Technik unserem Gegenüber an und achten auf Anzeichen von Unsicherheit oder Überforderung. Jeder darf Grenzen benennen, eine Übung unterbrechen und um Hilfe bitten.
Wer unterrichtet, trägt besondere Verantwortung. Wir erklären geduldig, korrigieren respektvoll und schaffen einen Rahmen, in dem Lernen ohne Angst und Demütigung möglich ist. Das Vertrauen unserer Schüler verpflichtet uns, auch das eigene Verhalten kritisch zu prüfen.
5. Selbstbeherrschung – bewusst handeln
Wir lernen, Ärger, Angst und Enttäuschung wahrzunehmen, ohne uns unbedacht von ihnen leiten zu lassen. Zwischen einem Gefühl und unserer Reaktion liegt die Möglichkeit, innezuhalten und bewusst zu entscheiden. Diese Fähigkeit üben wir ebenso wie unsere Techniken.
Wir suchen keinen Streit und setzen unser Können nicht zur Einschüchterung ein. Wo es möglich ist, schaffen wir Abstand, suchen das Gespräch und tragen zur Beruhigung einer Situation bei. Dazu gehört auch, eine Auseinandersetzung verlassen zu können, ohne darin eine Niederlage zu sehen.
6. Aufrichtigkeit – sich selbst ehrlich begegnen
Wir stellen unsere Fähigkeiten und Leistungen wahrheitsgemäß dar und stehen zu unserem Handeln. Wir erkennen eigene Grenzen an und prüfen Kritik, auch wenn sie unbequem ist. Dabei fragen wir uns ehrlich, ob unser Verhalten den Werten entspricht, die wir vertreten.
Wenn wir einen Fehler machen, benennen wir ihn und übernehmen Verantwortung für die Folgen. Eine Entschuldigung gewinnt durch das Gewicht, was wir anschließend verändern. So können wir aus Fehlern lernen und Vertrauen wieder aufbauen.
7. Fairness – auch im Unterschied verbunden bleiben
Wir erkennen die Leistungen anderer an und begegnen unterschiedlichen Schulen, Stilrichtungen und Trainingswegen mit Offenheit. Fachliche Kritik äußern wir sachlich und begründet. Dabei unterscheiden wir zwischen einer Sache, die wir anders beurteilen, und dem Menschen, dem wir weiterhin mit Achtung begegnen.
Fairness bewährt sich besonders dort, wo Interessen auseinandergehen oder Enttäuschungen entstehen. Wir hören auch die andere Seite, verzichten auf Gerüchte und tragen Konflikte ohne Herabsetzung aus. Diese Haltung bewahren wir ebenso im Wettkampf wie im persönlichen Gespräch und in sozialen Medien.
8. Hilfsbereitschaft – gemeinsam wachsen
Wir unterstützen einander mit Geduld und Aufmerksamkeit. Wer mehr Erfahrung hat, gibt sein Wissen verständlich weiter und lässt anderen Zeit für ihre Entwicklung. Wir schaffen Raum für Fragen und begegnen Unsicherheit mit Ermutigung.
Helfen bedeutet auch, aufmerksam zuzuhören und zu erkennen, welche Unterstützung jemand tatsächlich braucht. Dabei achten wir die Selbstständigkeit unseres Gegenübers. Jeder darf Hilfe annehmen und kann zugleich etwas zur Gemeinschaft beitragen – unabhängig vom Gürtelgrad.
9. Ausdauer – den eigenen Weg beständig gehen
Wir üben sorgfältig und geben unserer Entwicklung Zeit. Fortschritte verlaufen selten gleichmäßig: Auf sichtbare Erfolge können Phasen folgen, in denen vieles mühsam erscheint. Auch dann bleiben wir aufmerksam, überprüfen unsere Übungsweise und nehmen Unterstützung an.
Wir achten die unterschiedlichen Voraussetzungen jedes Einzelnen und gehen verantwortungsvoll mit unseren Kräften um. Ausdauer bedeutet auch, notwendige Pausen zuzulassen und danach wieder anzuknüpfen. Unseren Fortschritt erkennen wir daran, dass wir Techniken besser verstehen und bewusster, verlässlicher und verantwortungsvoller handeln.
10. Haltung – die Werte in den Alltag tragen
Der Weg des Karate reicht über das Training hinaus. Wie wir mit anderen umgehen, auf Widerspruch reagieren und Verantwortung übernehmen, gibt unseren Werten Bedeutung. Wir möchten aufmerksam bleiben für Situationen, in denen jemand Unterstützung braucht, Grenzen überschritten werden oder wir selbst unfair handeln.
Gerade unter Druck zeigt sich, wie fest unsere Grundsätze verankert sind. Deshalb prüfen wir unser Verhalten immer wieder und sind bereit, es zu verändern. Unser Ehrencodex begleitet uns dabei als gemeinsamer Maßstab – im Dojo, zu Hause, in der Schule, im Beruf und in der Öffentlichkeit.